Ludwigstraße nördlicher Abschnitt
Wir kommen zum nördlichen Abschnitt der Ludwigstraße und beginnen mit der Ludwigskirche.
Blick von Süden:

Die Pfarr- und Universitätskirche St. Ludwig (ab 1829 errichtet, Fertigstellung mitsamt Innenausstattung aufgrund großer finanzieller Schwierigkeiten erst 1844) ist eines der Hauptwerke von Friedrich von Gärtner: in der durch Aufklärung und Säkularisation vollkommen unterbrochenen Kirchenbautradition stellt sie vor allem eine sehr eigenständige schöpferische Leistung dar, die sich in keiner Weise auf vorangegangene Vorbilder stützen konnte. Stilistisch ist sie eine Symbiose aus mittelalterlicher italienischer Architektur (eine Mischung aus Romanik und Gotik), Byzantinismus und dem neuen nazarenisch-romantischen Sakralstil, der sich vor allem in der Innenausstattung zeigt - kurz: sie ist ein Werk der Romantik.
H. J. Sauermost und W. Hofmann schreiben hierzu in „Münchens Kirchen" (1973):
„Offenbar wurde aus verschiedenen Stilen eine neue Einheit geschaffen. Die Absicht, aus den historischen Stilen eine Synthese zu bilden, hat Gärtner 1828 ausdrücklich bekundet. Er bemerkte, »daß zwischen diesen strengen griechischen oder überhaupt den schulgerechten strengen architektonischen Regeln, und dem rein Gemütlichen und Phantastischen des Mittelalters etwas liege, daß wenn es vereint werden könnte sicher das beste für christliche namentlich katholische Kirchen seyn müßte«.
Der Bau ist völlig einheitlich; an ihm gibt es kein Auseinanderklaffen in Typus, Stil und Qualität, wie es im Verhältnis zwischen Äußerem und Innerem der Allerheiligen-Hofkirche immer festgestellt wurde. Ein Strukturprinzip, die rechtwinklige Fügung, welche die Richtungsachsen hervorhebt, liegt zugrunde. Aus ihm erklärt sich die völlig unmittelalterliche Form der durchgehenden Rahmenarkaden. Sie entsprechen der Rahmung der Wandfelder am Außenbau, sie verbinden das entschieden zusammengesetzte Mittelschiff mit den wie gehöhlt wirkenden Seitenschiffen und zeigen so die große Spannweite dieses Stils. (…)
Wie weit die überkommenen Motive ihre alte symbolische Bedeutung behalten haben - etwa die Rose als Symbol Christi -, muss dahingestellt bleiben; das Gewölbe jedenfalls stellt noch den Himmel dar. Vor allem sollen diese Motive eine als spezifisch christlich empfundene Stimmung hervorrufen, wobei die Stimmungswerte fein gestaffelt sind. Im Mittelschiff sind Architektur und Gemälde artikuliert, sprechen neben dem Gefühl auch den Verstand an; in den Querarmen steigert sich das Stimmungshafte, konzentriert sich in den relativ dunklen Seitenschiffen mit ihren goldleuchtenden Fenstern und kulminiert in der Taufkapelle. Der Konzentration des »Gemütlichen« in den Anräumen entspricht außen das Umgeben des Baukörpers mit Natur. Das Schattenspiel des windbewegten Blattwerks auf den Scheiben der Seitenschiffe läßt die Bäume auch nach innen wirksam werden. (…)
Es ist ein romantischer Innenraum, der räumlich über sich hinausweist. Auch die Synthese des historischen christlichen Sakralbaus, die Verbindung des Regelmäßigen mit dem Stimmungshaften, des Kunstwerks mit der Natur machen den Bau zu einem Werk der Romantik.“
Zudem besitzt die Kirche mit ihrer Doppelturmfassade (Turmhöhe 71m) eine große städtebauliche Bedeutung im Gesamtkonzept der Ludwigstraße: sie nimmt Bezug auf die am Odeonsplatz stehende barocke Theatinerkirche mit ihren ebenfalls zwei Türmen und schafft somit eine diagonale Nord-Süd-Verklammerung. Die Denkmaltopographie schreibt hierzu und zu ihrem Erscheinungsbild:
„Dem gegenüber ist der städtebaulich-kontrapostische wie grundrissmäßige Bezug zur barocken Theatinerkirche am Südende der Ludwigstraße ein erstaunliches Phänomen - der kreuzförmig angelegte Bau mit überkuppelten Seitenschiffsjochen am Langhaus und weit gestellten, von außen an die Fassade herangeschobenen Türmen verbindet sich mit einer barocker Formgesinnung völlig konträren, zeitgemäß unplastischen, kraftvoller Dynamik entsagenden Auffassung, der andererseits auch romanische Massigkeit und körperhafte Wucht fremd ist. Flächigkeit - innen im Sinne eines Farbträgers - und eher graphisch als plastisch wirkende Gliederungsdetails bestimmen den Eindruck. Der Außenbau ist verputzt (mit Quaderimitation); nur Westfassade und Türme in hellem Kelheimer Kalkstein. Zwischen die Türme bzw. die Anräume am Westende der Seitenschiffe - nördlich Turmtreppe, südlich Taufkapelle - ist die dreijochige, kreuzgratgewölbte, in Säulenarkaden geöffnete Vorhalle über hoher Freitreppe eingezogen. Ludwig Schwanthalers Kalksteinfiguren (1832-35) in den Rundbogennischen des Mittelgeschosses darüber - Christus und die Evangelisten, dazu Petrus und Paulus auf den Giebelschultern - offenbaren die Problematik einer zeitgenössischen religiösen Plastik, die christlichen Gehalt mit antikisierendem Gewandschema zu vereinen suchte."
Die Doppelturmfassade ist weniger auf ein frontales Betrachten, sondern vielmehr auf Schrägansicht, d.h. auf das Durchschreiten der Ludwigstraße, komponiert; die beiden Türme stehen so weit auseinander, dass sie sich, aus der Ludwigstraße betrachtet, lange Zeit nicht komplett überdecken und sogar noch den Mittelteil durchscheinen lassen. Trotzdem wirkt die Fassade auch aus der gerade auf sie zulaufenden Schellingstraße imposant.
Links und rechts schließen zwei Arkaden an die Kirche an, darauf folgen südlich wie nördlich zwei pavillonartige Gebäude: südlich das ehem. Wohnhaus Gärtners (Ludwigstraße 18, erbaut ab 1831), das im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört und danach für das Universitätsbauamt äußerlich rekonstruiert wurde, und nördlich das Pfarramt (Ludwigstraße 22, erbaut ebenfalls ab 1831), das im Krieg unbeschädigt blieb, im Inneren allerdings teilweise umgebaut wurde.
Der Bau der Ludwigskirche musste öfters unterbrochen werden, da die Stadt München, die den Bau bezahlen sollte, kaum mehr Geld hatte (sie war durch die vorangegangenen Bauten Ludwigs I. finanziell bereits stark belastet worden) und außerdem den Sinn einer so weit außerhalb der eigentlichen Stadt gelegenen Kirche nicht einsah; ein weiteres retardierendes Motiv mag sicher gewesen sein, dass Klenze, der große Konkurrent Gärtners, als Präsident der obersten Baubehörde versuchte, die Realisierung des Baus so gut es ging zu hintertreiben. Als die Stadt sich nun des öfteren weigerte, Rechnungen für die Baustelle zu begleichen, drohte Ludwig I. zunächst mit dem Wegzug der Universität (die erst 1826 nach München verlegt worden war) und schließlich mit seinem eigenen Wegzug aus der Residenz - eine veritable Erpressung, die den Stadtmagistrat schließlich einlenken ließ. So kletterte innerhalb weniger Jahre der städtische Schuldenstand von 300.000 Gulden auf über 2,5 Millionen, wobei die Ludwigskirche alleine 1,2 Millionen kostete.
Der Innenraum wird charakterisiert durch die weit gespannten Rundbögen, den Kreuzrippengewölben der Langhausjoche, Querarme und Vierung sowie großen, glatten Wandflächen, die für Freskomalerei und ornamentale, etwas orientalisierende Polychromie bestimmt waren. Die ursprünglich von König Ludwig für die ganze Kirche vorgesehene, sowohl religiös-geistig als auch künstlerisch höchst ambitionierte Ausmalung mit Fresken durch → Peter von Cornelius wurde angesichts der langsamen Arbeitsweise des Künstlers schließlich auf den Chor- und Querschiffbereich beschränkt; die restlichen Flächen wurden einfach verputzt und monochrom gestrichen.
Das Altarfresko von Cornelius, das Jüngste Gericht darstellend, ist mit 18 x 11 m das zweitgrößte Altarfresko der Welt (nach dem Jüngsten Gericht von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle in Rom), es beherrscht den gesamten Innenraum. Leider gefiel es dem Auftraggeber Ludwig I. nach Fertigstellung „wegen mangelnder Farbintensität und Dynamik, aber auch hinsichtlich der Auffassung des Themas“ nicht sonderlich, weswegen er sich mit Cornelius zerstritt und dieser daraufhin München verließ. Im Gewölbe des Altarraums ist die Erschaffung der Welt dargestellt, in der Vierung die Hl.-Geist-Taube umgeben von Patriarchen, Propheten, Aposteln, Märtyrern, Kirchenlehrern, Ordensgründern, Missionaren, Königen und Jungfrauen. Im Gewölbe des nördlichen Querhauses sind die vier lateinischen Kirchenväter, an der Stirnwand die Verkündigung an Maria und die Geburt Christi zu sehen; am Gewölbe des südlichen Querhauses die vier Evangelisten und an der Stirnwand Christus und Magdalena sowie die Kreuzigung Christi.
Um die Jahrhundertwende fand man die monochrom gefassten Wandflächen zu langweilig und dekorierte sie im Zuge der Restaurierung 1903/04: die Pfeiler wurden marmoriert, die Wandflächen mit Ornamenten und sechs Medaillons mit der Darstellung frühzeitlicher heiliger Bischöfe Bayerns versehen. Die → Website der Kirchengemeinde St. Ludwig schreibt zu den damaligen Maßnahmen:
„Hier waren die von Gärtner nur als rein farbige Wandflächen belassenen Partien über und über, und zwar unter Verwendung von Ornamenten, die in sparsamer Weise original im Chorbereich vorgegeben waren, dekoriert. Allerdings waren auch diese einer Veränderung unterworfen worden, indem man die rein im Sinn von Inkrustationen oder Intarsien gehaltenen Ornamentbänder und Flächen durch Hinterlegung von Schatten plastisch zu machen und durch größere Farbigkeit zu bereichern versuchte. Zudem hatte man die Pfeiler in ihrer Funktion verändert, indem man jeweils die Hauptvorlage mit Ölfarbe grau marmorierte und die begleitenden Lisetten mit den vom Gewölbe her genommenen Ornamentbändern bis unten zum Sockel hin aufgliederte.“
Eine Idee des ursprünglichen Zustands, d.h. noch ohne Ornamentmalerei an den Seitenwänden, gibt ein Stich von Herwegen nach Zeichnung von Seeberger (1845) wieder:
Der Zustand nach den Umgestaltungen von 1903/04 (Fotos von 1946):
(Bildarchiv Foto Marburg, fm202530, Lizenz CC BY-SA 4.0)
(Bildarchiv Foto Marburg, fm202528, Lizenz CC BY-SA 4.0)
Es handelte sich bei dieser Neudekoration letztendlich um eine ähnliche Maßnahme, wie sie in der Pfarrkirche St. Anna im Lehel wenige Jahre später durchgeführt wurde und wie sie dem damaligen Zeitgeist entsprach. Bei einer von Erwin Schleich und Wilhelm Gärtner geleiteten Restaurierung 1955-57 wurden diese Ornamentmalereien und Marmorierungen - wiederum dem nun geänderten Zeitgeist entsprechend - mit Ausnahme der Medaillons wieder entfernt und die Wandflächen mit einem ins Grau gebrochenen Violett einfarbig gestrichen. Leider verputzte man die Wandflächen - wohl zur Verbesserung der Raumakustik - aber mit einem Asbestputz, der mit einer dünnen Kalkschlämme überzogen und übermalt wurde. Dieser Asbestputz wurde 2008 wiederentdeckt und daraufhin in den Jahren 2009/10 vollständig entfernt; eine sehr schwierige und teure Maßnahme. Anschließend entschloss man sich vorerst dazu, die Wandflächen nicht mehr neu zu verputzen bzw. nur die Wandflächen der vordersten beiden Langhausjoche probeweise zu verputzen und zu streichen: das nördliche violett-grau wie bei der Restaurierung 1955-57, das südliche weiß. Der Grund hierfür ist, dass der originale Farbanstrich der Wände nicht mehr bekannt ist, da die ursprüngliche Farbschicht 1903/04 vollständig entfernt worden war und somit keine Befunde existieren. Allerdings existiert eine aquarellierte Bleistiftzeichnung von Friedrich v. Gärtner mit Blick aus dem südlichen Seitenschiff in Lang- und Querhaus, auf der man seine Farbvorstellungen nachvollziehen kann: die Wandflächen des Langhauses wären demnach in einem violett abgetönten Ockerton zu halten.
Auf der → Website von St. Ludwig ist Folgendes zur geplanten Restaurierung zu lesen: „Daher hat sich in einem längeren Diskussionsprozess zwischen Fachleuten von Staat und Kirche eine klare Orientierung auf die Sanierung nach dem Krieg ergeben. Der Stil der Fünfzigerjahre wird mit reduzierten Farbfassungen und zurückgenommenen Ornamenten an die durch die Reinigung neue Farbigkeit der Fresken angeglichen.“
Diese Maßnahme wird zusammen mit einer Renovierung der Fenster, des Fussbodens und der Orgel seit geraumer Zeit geplant und soll in den kommenden Jahren durchgeführt werden. Der momentane Zustand mit den unverputzten, ziegelsichtigen Wandflächen ist leider etwas unschön, man kann nur hoffen, dass möglichst bald die Gelder für die sicherlich teure Renovierung organisiert werden können.
Die von Erwin Schleich 1955 neu geschaffene, als Windfang dienende Eingangsarkade unter dem ebenfalls von Schleich (aber in Anlehnung an den ursprünglichen Entwurf von Gärtner) stammenden Orgelprospekt ist wohl einer der seltenen Fälle, in denen eine nach dem Krieg geschaffene Ergänzung sich harmonisch in die historische Gesamtkonzeption einfügt. Der ursprüngliche Gärtnersche Orgelprospekt muss bereits vor dem 2. Weltkrieg entfernt worden sein, da er auf einem Foto von 1946 schon nicht mehr vorhanden ist:
(Bildarchiv Foto Marburg, fm202529, Lizenz CC BY-SA 4.0)
Der auf den alten Aufnahmen zu sehende große Kronleuchter gehörte nicht zur Ursprungsausstattung und wurde bei der Restaurierung 1903/04 hinzugefügt; bei der Restaurierung 1955-57 wurde er wieder entfernt. Einerseits schade, denn er wertete den Raum durchaus auf, andererseits verstellte er den Blick auf das große Altarfresko.
Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche vergleichsweise gering beschädigt (u.a. wurden zwei Gewölbe im südlichen Seitenschiff zerstört), sie blieb im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen im Zentrum Münchens weiterhin benutzbar.
Bereits 1957 wurde auf Bestreben von Universitätsprediger Romano Guardini ein Volksaltar aufgestellt - bemerkenswert früh, da dies eigentlich erst in der Liturgiereform in der Nachfolge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) beschlossen wurde.
Einige Fotos:

Frontal von der gegenüberliegenden Einmündung der Schellingstraße aus:

Das Dach ist mit verschiedenfarbig glasierten Ziegeln bekleidet, die im 2. Weltkrieg zerstört, von 2007–2009 aber rekonstruiert wurden. Von der Straße aus sieht man sie nur wenig:
Aus der Luft hingegen wirken sie sehr beeindruckend:
(Wikimedia Commons, Urheber M-Luftbild, GNU Free Documentation License)
Einige Ansichten aus dem dahinter gelegenen Garten:
Blick durch die Arkaden auf das Haus Ludwigstraße 27:

Einige Innenansichten:


Das Altarfresko von Cornelius:
Die von Erwin Schleich 1955 geschaffene Eingangsarkade mit Orgelprospekt:
Das Gewölbe:

Einige Aufnahmen aus den Seitenschiffen:




Wir kehren auf die Westseite zurück und schauen uns das Gebäude Ludwigstraße 25 an, das ehem. Blindeninstitut. Nachdem es inzwischen unmöglich geworden war, weitere städtische oder staatliche Mittel für Neubauten zu bekommen, suchte Ludwig nun nach Stiftungen und Staatsbetrieben, die über eigene Geldmittel verfügten und deren Ausgaben von einer Genehmigung des Landtags unabhängig waren, dabei aber trotzdem unter königlichem Einfluss standen.
Als erstes Institut wurde daraufhin die Blindenanstalt von Freising nach München verlegt, wofür Gärtner von 1833-35 (Innenausbau bis 1837) einen Neubau an der Ludwigstraße errichtete. Das 65m lange Gebäude ist in seinen Grundeigenschaften ähnlich schlicht und flächig wie das südlich angrenzende Damenstift, besitzt aber zwei Portale aus Sandstein, kleine romanisierende Säulen in den Laibungen der Fenster des 1. Stocks und ein Ornamentfries unter der Traufe. Die in Quaderoptik gestaltete Putzoberfläche wirkt durch ihre leichte Verschiedenfarbigkeit reizvoll. Vor allem durch seine beiden Portale, die zusätzlich mit jeweils zwei Giebelfiguren versehen sind, erweckt das Gebäude insgesamt einen klösterlich-sakralen Eindruck.
Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude nur wenig beschädigt, Ende der 60er Jahre dann aber leider völlig entkernt und für die Verwendung durch die Ludwig-Maximilians-Universität (romanische und italienische Philologie sowie Theaterwissenschaft) hergerichtet. Dabei wurde auch der Mittelteil der rückseitigen Fassade in moderner Weise neugebaut. 2013 beschloss das Staatliche Bauamt die Zusammenführung von mehreren vorher zerstreuten Instituts- und Fachbereichsbibliotheken der Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften in das Gebäude des ehem. Blindeninstituts und baute dieses innen erneut komplett um.
Einige Ansichten:




Ausblick nach Norden, am rechten Bildrand die Ludwigskirche, links angeschnitten das ehem. Blindeninstitut und anschließend das Haus Nr. 27, dem wir uns nun zuwenden:

Das Gebäude Nr. 27, 1838-43 von Gärtner für die Bergwerks- und Salinen-Administration errichtet, ist ein sehr interessanter Bau: er besitzt mit seiner in weiten Teilen leuchtend roten, unverputzten Backsteinfassade eine nicht zu übersehende Ähnlichkeit mit der → Berliner Bauakademie von Schinkel. Diese Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr, da Gärtner 1835 Berlin besucht hatte und sich von Schinkel die im Entstehen begriffene Bauakademie hatte zeigen und erklären lassen. Gärtner schafft mit der Salinen-Administration allerdings keine bloße Imitation des Schinkelschen Baus, sondern wandelt diesen im Sinne der süddeutschen Traditionen und der Ludwigstraße um. Während die Bauakademie durch ihre weit vorstehenden Lisenen, die von den horizontalen Bändern nicht unterbrochen werden, und ihre dreiteiligen Fenster eine starke Vertikalität ausdrückt und die reinen Wandflächen durch die stärker ausgeprägte Plastizität sehr knapp ausfallen, verhält es sich bei der Salinen-Administration genau umgekehrt: hier sind es die ebenfalls vorhandenen Lisenen, die sich unterordnen und ihrerseits die horizontalen Gurtgesimse nicht unterbrechen, wodurch die Fassade eine starke Horizontalität entwickelt; außerdem ist die gesamte Fassade sehr flach und die reinen Wandflächen im Vergleich zu den Gliederungselementen viel größer. Diese Horizontalität und Flächigkeit sind typisch für München und Altbayern (siehe auch die Inn/Salzach-Architektur) und sind auch dem starken italienischen Einfluss geschuldet, der hier von jeher maßgeblich war und die gesamte Ludwigstraße prägt.
Die Fassade der Salinen-Administration ist dabei keine roh belassene Ziegelwand, sondern besitzt eine „toskanische Verblendung aus kleinformatigen, scharfkantigen Klinkersteinen (...), die eine glatte, matt-glänzende, scheinbar fugenlose Oberfläche ergeben", wie die Denkmaltopographie schreibt. Oswald Hederer schreibt in seinem Buch „Die Ludwigstraße in München": „Keilförmig geschnittene Verblendsteine mit glatten Vorderflächen sitzen scharfkantig aufeinander und sind nur mit der Rückseite in die Hintermauerung gebunden. Die Oberfläche wird dadurch spiegelglatt."
Zusätzlich ist die Fassade mit Terrakotta-Ornamentik geschmückt: sie findet sich auf den Bändern zwischen den Lisenen, in den profilierten Gewänden der Rundbogenfenster und des Portals, im Gurtgesims über dem Erdgeschoss und vor allem als umlaufender Fries unter und im Konsolgesims selbst.
Die Salinen-Administration Gärtners kann insgesamt als Symbiose zwischen nordischer und italienischer Backsteinarchitektur gelten, als zwar von Schinkel inspirierte, aber letztendlich transformierte eigenständige Leistung Gärtners.
Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude vor allem innen und im rückwärtigen Bereich schwer beschädigt, die Fassaden blieben allerdings stehen. Nach dem Krieg wurde es zuerst für die Bayer. Berg-, Hütten- und Salzwerke AG wiederhergestellt, 1970 dann aber für die Verwendung durch die nördlich angrenzende Universität umgebaut, so dass das Innere mit Ausnahme des Eingangsflurs mit vier Kreuzgratgewölben und den seitlich anschließenden gewölbten Gängen völlig neu gestaltet ist.

Ausschnitt aus der Fassade:
Südfassade an der Schellingstraße, die Schäden im Sockelbereich stammen von Bombensplittern des 2. Weltkriegs und wurden als „Wunden der Erinnerung" belassen:
Blick von Norden, rechts bereits ein Teil des Universitätsgebäudes:
Kommen wir nun zum Universitätsforum, einer großen, beidseitigen, quadratischen Ausbuchtung der Ludwigstraße. Die beiden Platzhälften sind seit 1946 nach Widerstandskämpfern der → Weißen Rose benannt: der westliche Teil heißt Geschwister-Scholl-Platz, der östliche Professor-Huber-Platz.
Beginnen wir mit der → Ludwig-Maximilians-Universität, die die ganze westliche Platzhälfte ausfüllt. Die bayerische Landesuniversität war 1472 von Herzog Ludwig dem Reichen in Ingolstadt gegründet worden, bis sie 1800 von Kurfürst Max IV. Joseph, dem nachmaligen ersten König von Bayern, nach Landshut verlegt wurde. 1826 wiederum beschloss dessen Sohn Ludwig I. die nochmalige Verlegung in die Hauptstadt München, wo bereits seit 1759 die Akademie der Wissenschaften ansässig war; in deren Gebäude in der Neuhauser Straße, der Alten Akademie, wurde die Universität zunächst dann auch untergebracht, bis der Neubau an der Ludwigstraße zum Bezug bereit stand.
Das neue Universitätsgebäude an der Ludwigstraße wurde nach Plänen von Gärtner in den Jahren 1835-40 erbaut, 1840 konnte die Universität schließlich in ihr neues Heim umziehen.
Das Universitätsgebäude ist wieder im italienisch-romanisierenden Stil Gärtners gehalten, der dieses Mal romanisierende Biforienfenster mit großen, in Steinquaderoptik verputzten Wandflächen kombiniert und auf plastische Gliederungen wieder weitgehend verzichtet. Die Mitte des Haupttraktes wird durch neun große Pfeilerarkaden vor einer offenen Eingangshalle akzentuiert, nach oben hin begrenzt ein Rundbogenfries, ein profiliertes Kranzgesims und eine niedrige Attika mit Akroterien die Fassade. An den nördlichen und südlichen Seitentrakten zur Ludwigstraße hin sind dreiachsige Pavillons zur Platz- und Straßeneinfassung platziert, die als leichte Risalite abgesetzt und mit Ecklisenen und Akroterien versehen sind. Diesen Pavillons entsprechen auf symmetrische Weise zwei weitere Pavillons auf der Ostseite des Forums.
Blick von Süden auf den westlichen Teil des Universitätsforums:

Der Haupttrakt:

Der südliche Seitentrakt:
Haupttrakt mit nördlichen Seitentrakt:
Nördlicher Seitentrakt mit Eckpavillon:
Nördlicher Eckpavillon, rechts davon einmündend die Adalbertstraße, rechts das Haus Ludwigstraße 29:
Blick von Norden zurück zum Universitätsforum und zur Ludwigstraße:
1906-09 wurde die Universität mit einem großen rückwärtigen → Erweiterungsbau in Richtung Amalienstraße vergrößert (Architekt → German Bestelmeyer), infolgedessen auch eine neue, beeindruckende Kuppelhalle mit Oberlicht und einer neuen Treppe im Hauptbau eingebaut wurde.

(Wikimedia Commons, Urheber: MaMärz, Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0)
Die auf den beiden letzten Fotos zu sehende Orgel ist nicht original, sie wurde anstelle eines großen, im 2. Weltkrieg zerstörten Mosaikbildes von → Julius Diez eingefügt. Auf folgender Aufnahme von 1910 kann man es noch erkennen:
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NL-PETT2-1906, Lizenz CC BY-ND 4.0)
Weitere Räume der Universität.
Die Große Aula, ebenfalls 1906-09 umgestaltet:
(Wikimedia Commons, Urheber: Mark Kamin, Lizenz CC BY-SA 2.5)
(Wikimedia Commons, Urheber: U.S. Consulate General Munich Germany, Public Domain)
Auditorium maximum:
(Wikimedia Commons, Urheber: Church of emacs, Lizenz CC BY-SA 4.0)
Korridor im 1. Stock:
Im 2. Weltkrieg erlitt die Universität durch Spreng- und Brandbomben sehr schwere Schäden, ca. 70 % des Gebäudes wurden zerstört, vor allem der Mittelbereich des Gärtnerschen Altbaus, bei dem auch Teile der Fassaden einstürzten. Die große Aula hingegen blieb größtenteils unbeschädigt, weswegen sie nach dem Krieg einer der wenigen benutzbaren großen Säle war, in dem auch Konzerte stattfinden konnten.
Weitere Fotos des westlichen Teils des Universitätsforums. Die beiden Brunnen wurden 1840-44 nach Entwürfen von Gärtner angefertigt:


Blick nach Norden mit dem Siegestor:
Nun zur östlichen Hälfte des Universitätsforums. Zuerst noch einmal ein Blick nach Norden, rechts neben dem Siegestor das ehem. Haus des Rechts, am rechten Bildrand der nordöstliche Eckpavillon des Forums:

Professor-Huber-Platz 2 (links) & 1 (rechts), dazwischen die einmündende Veterinärstraße:

Professor-Huber-Platz 2, das nördliche Gebäude, war früher das Max-Joseph-Stift, ein Erziehungsinstitut mit Internat für Töchter aus adeligen und anderweitig verdienstvollen Familien. Im Laufe der Zeit nahm das Max-Joseph-Stift auch Töchter aus weniger illustren Familien auf und wurde zum normalen Gymnasium, das 1945 nach Bogenhausen übersiedelte und dort auch → heute noch existiert.
Das 1837-40 nach Plänen von Gärtner erbaute Max-Joseph-Stift wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört: der Eckpavillon zur Ludwigstraße blieb mit seinen Außenmauern stehen, sein Erdgeschoß dient seit 1972 als großzügiger Zugang zur U-Bahnstation der Universität; der anschließende, niedrigere Eckbau wurde hingegen so stark zerstört, dass er abgerissen und 1961 in vereinfachter Form rekonstruiert wurde; dabei wurden die ursprünglichen Stichbogenfenster im Erdgeschoß sowie die Doppelarkadenfenster mit Stichbogenblenden in den Stockwerken darüber einheitlich in Rundbogenfenster umgewandelt. Heute dient es zusammen mit dem nördlich gelegenen Haus des Rechts (Ludwigstraße 28) sowie einigen rückwärtigen Neubauten der Juristischen Fakultät der Universität.
Hier eine Ansicht von 1850:
Das südlich der Veterinärstraße gelegene Gebäude Professor-Huber-Platz 1 ist das Georgianum, ein Priesterseminar. Es geht zurück auf das von Herzog Georg dem Reichen 1494 gegründete Neue Collegium in Ingolstadt, das 1800 zusammen mit der Universität zuerst nach Landshut und schließlich nach München verlegt wurde.
Das Gebäude wurde 1835-40 von Gärtner errichtet und besteht ebenso wie das Max-Joseph-Stift aus einem niedrigeren Eckbau und einem höheren Eckpavillon zur Ludwigstraße. Im Unterschied dazu besitzt es zwei romanisierende Sandsteinportale mit Freitreppen. Die im Vergleich zu den anderen Gärtnerbauten der Ludwigstraße nochmal kleineren Fenster und die daraus resultierenden großen Wandflächen geben dem Gebäude einen klösterlich-verschlossenen Charakter.
Im 2. Weltkrieg erlitt das Gebäude schwere Bombenschäden, die Mauern blieben allerdings größtenteils stehen. Seit seiner Wiederherstellung dient es bis heute als Priesterseminar. Seit 1986 kann man die bedeutenden sakralen Kunstsammlungen des Georgianums - hauptsächlich altbayerische und schwäbische Kunst von Romanik bis Rokoko - im hauseigenen → Museum besichtigen.
Blick zum ehem. Max-Joseph-Stift:
Eines der beiden Portale:
Der Eckpavillon zur Ludwigstraße, anschließend das Pfarrhaus und die Ludwigskirche:
Blick vom Universitätsforum nach Süden in die Ludwigstraße:


Blick nach Norden zum letzten Abschnitt der Ludwigstraße und zum Siegestor:
Blick zurück von Norden auf die beiden nördlichen Eckpavillons und das Universitätsforum:
Kommen wir nun zum letzten Teil der Ludwigstraße zwischen Universität und Siegestor.
Dieser Abschnitt zwischen Universitätsforum und Siegestor war ursprünglich nicht bebaut, sondern von Gartenmauern gesäumt und als Übergang zur nördlich anschließenden Allee der Leopoldstraße mit Pappeln bepflanzt. Ende des 19. Jhs wurde zuerst die West- und in den 1930er Jahren schließlich auch die Ostseite bebaut.
Wir betrachten zunächst die Westseite, auf der zwischen Adalbert- und Akademiestraße in den Jahren 1877-90 ein gründerzeitlicher Häuserblock aus drei Häusern entstand (heute Nr. 29 - 33). Diese Häuser sind im italienisch beeinflussten Neorenaissancestil gehalten und erinnern ein wenig an den Klenzeschen Klassizismus am Odeonsplatz, auch wenn sie mehr Geschoße aufweisen und etwas reicher dekoriert sind. Alle drei Häuser besitzen einen flachen dreiachsigen Mittelrisalit, der bei den beiden Eckhäusern außerdem durch einen Balkon im 1. Stock mit Balusterbrüstung akzentuiert wird.
Blick von Nordosten, links der nordwestliche Eckpavillon des Universitätsforums:

Bis vor ein paar Jahren wurde die Fläche vor den Häusern noch für Parkplätze verwendet, wie man auf folgendem Bild von 2018 sehen kann:
Inzwischen wurden die Parklätze entfernt und die Fläche in ein großzügiges Trottoir mit jungen Bäumen und Rundbänken umgewandelt, eine Maßnahme, die man durchaus als gelungen ansehen kann:
Die gleiche Maßnahme wurde auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite durchgeführt, so dass dieser letzte Abschnitt nun insgesamt eine wesentlich höhere Aufenthaltsqualität besitzt.
Betrachten wir nun die einzelnen Häuser. Haus Nr. 29:
Haus Nr. 31:
Das Haus Nr. 31 besaß ursprünglich noch eine Dachbalustrade mit Attika sowie zwei Balkone an der 2. und 8. Fensterachse im 1. Stock. Laut Denkmaltopographie wurde die Dachbalustrade im 2. Weltkrieg zerstört, allerdings gibt es im Münchner Stadtarchiv ein Foto des Hauses von 1930, welches dieses bereits ohne Dachbalustrade und Balkone zeigt, von daher muss das Haus bereits früher vereinfacht worden sein.
Ansicht mit der originalen Dachbalustrade und den Balkonen, von 1905:
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-HB-II-c-0402, Lizenz CC BY-ND 4.0)
Eine Ansicht zusammen mit dem Eckhaus zur Adalbertstraße, ebenfalls von 1905:
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NL-PETT1-2130, Lizenz CC BY-ND 4.0)
Eine Ansicht bereits ohne Dachbalustrade und Balkone von 1930 (aber noch mit den später ebenfalls entfernten Fensterläden):
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NL-PETT1-2161, Lizenz CC BY-ND 4.0)
Haus Nr. 33:
Ausschnitt aus dem Portal von Nr. 33:
Ansicht mit dem Ostteil der Akademie der bildenden Künste (Akademiestraße 2-4) und dem Siegestor:
Im 2. Weltkrieg erlitten alle drei Häuser Schäden im Dachbereich, das Dach des nördlichsten Hauses (Nr. 33) ist seit der Wiederherstellung etwas steiler als die anderen.
Auf der bis dato unbebauten Ostseite planten die Nazis ein großes Gebäude für die neugegründete "Akademie für Deutsches Recht", das sogenannte „Haus des deutschen Rechts" (heute Nr. 28). Dieses Neubauprojekt bezog auch das 1939 geräumte, hier bereits vorgestellte Max-Joseph-Stift mit ein, das aber aus Kriegsgründen dann doch nicht abgerissen wurde. (Aus Planungen von 1940 geht übrigens hervor, dass auch die gegenüberliegende Neorenaissance-Gruppe Nr. 29-33 abgerissen und durch einen monumentalen Neubau ersetzt hätte werden sollen...).
Der 1936-39 entstandene Bau stammt vom Architekten → Oswald Bieber und ist im typischen neoklassizistischen Monumentalstil der Nazizeit gehalten: er fügt sich stilistisch zwar grundsätzlich recht gut in den Gärtnerschen Teil der Ludwigstraße ein, wirkt im Vergleich zu dessen Bauten aber ziemlich grob und abweisend. Interessant ist, dass im Sitzungssaal dieses Gebäudes einige klassizistische Fresken von → Robert von Langer aus dem 1937/38 abgebrochenen Herzog-Max-Palais angebracht sind, die vor dem Abriss desselben ihres hohen künstlerischen Wertes wegen mühevoll abgenommen und hierher transferiert worden waren (siehe → hier).
Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude vor allem im Nordteil zerstört und 1950 vom gleichen Architekten in unveränderter Form wiederhergestellt. Inzwischen gehört es zur Juristischen Fakultät der LMU.
Die offene Eingangsvorhalle:
Ansicht mit dem Siegestor und den Häusern Ludwigstraße 31 & 33 auf der gegenüberliegenden Seite; hier sieht man noch die Asphaltwüste der Parkplätze vor der Umgestaltung:
Nun sind wir am nördlichen Schlusspunkt der Ludwigstraße angelangt, dem Siegestor.
Die Idee für einen Triumphbogen war bereits 1826 entstanden, ab 1840 wurde das Projekt schließlich konkret und Friedrich von Gärtner zur Planung übertragen. Das Siegestor sollte sich am römischen → Konstantinsbogen orientieren und „dem bayerischen Heere", wie auch die Inschrift auf der Nordseite lautet, und seinen Heldentaten in den Befreiungskriegen 1813-15 gegen Napoleon gewidmet sein. Bayern war zwar unter Kurfürst Max IV. Joseph mit Napoleon alliiert gewesen und von diesem als Dank zum Königreich erhoben worden; Ludwig I., der Sohn Max Josephs, war aber zeit seines Lebens ein Feind der Franzosen und ein Anhänger des nationalen Befreiungskampfes gewesen (siehe auch die Errichtung der → Befreiungshalle in Kelheim).
1843 begannen die Bauarbeiten; nach der Abdankung Ludwigs I. 1848 stockten die Arbeiten, wurden aber 1850 vom Gärtner-Schüler Eduard Metzger wiederaufgenommen (Gärtner selbst war 1847 verstorben) und im selben Jahr abgeschlossen.
Das 24 m breite, 11,9 m tiefe und 20,7 m hohe Siegestor ist im Kern eine Ziegelkonstruktion, die mit Kalkstein verkleidet ist.
Die Gipsmodelle für die Skulpturen wurden vom Bildhauer → Johann Martin von Wagner erstellt, der als Kunstagent für Ludwig I. in Rom ansässig war, und danach von verschiedenen Bildhauern in Marmor ausgeführt. Auf dem Triumphbogen thront eine Quadriga aus Bronze (Entwürfe von Wagner, → Johann Halbig und → Friedrich Brugger, gegossen in der → königlichen Erzgießerei unter → Ferdinand von Miller), die die Figur der Bavaria auf einem von vier Löwen gezogenen Streitwagen darstellt und 20 Tonnen schwer ist; sie wurde erst 1852, zwei Jahre nach Fertigstellung des Siegestors, aufgestellt.
Bemerkenswert ist, dass über den rechteckigen Reliefs, die allgemein antikisierende Kampfszenen darstellen, Tondi mit Szenen aus Kunst und Kultur dargestellt sind, die sich somit in der Intention Ludwigs über den Krieg erheben und seine Friedens- und Kunstpolitik repräsentieren sollten.
Im 2. Weltkrieg erlitt das Siegestor vor allem im oberen Bereich schwere Zerstörungen, die Quadriga wurde schwer beschädigt und heruntergeschleudert. Nach dem Krieg stellte man die Nordseite annähernd original wieder her, wobei neben einigen Details vor allem die zweite Statue von rechts fehlt; die stadtzugewandte Seite hingegen wurde im oberen Bereich nur gliederungslos und glatt geschlossen und auf eine Wiederherstellung der Gesimse, Statuen, Reliefs über dem zentralen Bogen, der Tondi sowie der originalen Inschrift („Erbaut von Ludwig I. König von Bayern MDCCCL") verzichtet. Diese einfache Wiederherstellung war anfänglich nur als Provisorium gedacht, 1958 wurde sie allerdings mit der neu angebrachten Inschrift „Dem Sieg geweiht - vom Krieg zerstört - zum Frieden mahnend" als Mahnmal gegen den Krieg konserviert. Die geborgenen, aber nicht wiederverwendeten Originalteile lagern frei zugänglich an der Ostseite des Stadtmusems in der Nieserstraße. Die Quadriga wurde nach den Zerstörungen unter Rekonstruktion des Wagens und des oberen Teils der Bavaria in den Jahren 1969-72 wiederhergestellt.
Im eigentlichen Sinne eines Triumphbogens - dem Durchschreiten von siegreichen Truppen - wurde das Siegestor übrigens nur einmal benützt, nämlich nach dem Krieg 1870/71 gegen Frankreich (was aber gleichzeitig auch das Ende der Eigenstaatlichkeit Bayerns bedeutete und somit dann doch kein voller Triumph war...).
Ansicht von Norden:

Originaler Zustand (Foto von 1895):
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NL-KV-0416, Lizenz CC BY-ND 4.0)
Stadtzugewandte Seite (Südseite):
Originaler Zustand (Foto von ca. 1900):
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NL-PETT2-3474, Lizenz CC BY-ND 4.0)
Blick nach Nordwesten zur Akademie der bildenden Künste:
Blick nach Nordosten zur gründerzeitlichen Bebauung um die Schackstraße und an der beginnenden Leopoldstraße:
Ostseite des Siegestors, links die Häusergruppe Ludwigstraße 29 -33, rechts die Ostseite der Akademie der bildenden Künste:

Blick vom Siegestor nach Norden zur pappelgesäumten Allee der Leopoldstraße:
Blick vom Siegestor zurück in die Ludwigstraße:

Mit dieser schönen Ansicht beschließen wir unsere fotografische Betrachtung der Ludwigstraße. Auf der nächsten Seite folgen nun noch abschließende Gedanken zu den städtebaulichen Charakteristiken der Ludwigstraße. ➔