Ludwigstraße mittlerer Abschnitt
Wir sehen uns zunächst die Verkehrsschneise des Altstadtrings an, der nördlich von Ludwigstr. 11 (auf der Westseite) und 2 (Landwirtschaftsministerium auf der Ostseite) unter den Namen Oskar-von-Miller-Ring und Von-der-Tann-Straße die Ludwigstraße durchschneidet. Wir beginnen mit der verbreiterten Von-der-Tann-Straße im Osten der Ludwigstraße. Am rechten Bildrand das Landwirtschaftsministerium, links der sogenannte Haslauer-Block, daran in der Mitte anschließend das Haus Von-der-Tann-Straße Nr. 2 (ehem. Schönfeldschule). Dieser Einschnitt in die Ludwigstraße erscheint noch einigermaßen erträglich, weil die Fassaden ein sehr repräsentatives Aussehen besitzen; wir werden diese Seite nachher noch genauer betrachten.
Die gegenüberliegende Seite des Oskar-von-Miller-Rings (Westen) hingegen wirkt wie ein riesiges Loch, das von unpassender Nachkriegsbebauung gesäumt wird:
Links das bereits oben vorgestellte Haus Ludwigstraße 7, im Hintergrund die beim Wiederaufbau dem Zeitgeschmack der 50er Jahre angepasste und stark vereinfachte, ursprünglich neugotische evangelische → Markuskirche, rechts die Landeszentralbank.
Ein weiterer Blick auf den Oskar-von-Miller-Ring, rechts wieder die Landeszentralbank:
Dies ist sicher die größte städtebauliche Wunde der Ludwigstraße, die ansonsten saalartig geschlossene Bebauung der Ludwigstraße ist hier empfindlich weit aufgerissen und mit einer für diese exponierte Stelle völlig unangemessenen Bebauung versehen.
Ein Blick von weiter südlich, bei dem der Einschnitt weniger ersichtlich ist:
Sehen wir uns nun die Von-der-Tann-Straße auf der Ostseite an. Hier noch einmal der Haslauer-Block und das Haus Von-der-Tann-Straße 2:
Wir gehen in die Von-der-Tann-Straße hinein und betrachten das Haus Nr. 2 aus der Nähe:

Dieses Haus entstand 1827-29 nach Plänen von Baurat Johann Himbsel, der sich hierbei eng an den kurz vorher von Klenze errichteten florentinisch-renaissancemäßigen Haslauer-Block anlehnte. Das Gebäude diente lange Zeit als Schule für die hier angrenzende Schönfeldvorstadt und gelangte später in den Besitz der Bayerischen Handelsbank, die den im 2. Weltkrieg völlig ausgebrannten Bau wiederherstellte und für ihre Zwecke adaptierte. Zusammen mit dem Haslauer-Block bildet es ein frühes Beispiel für die beginnende Neorenaissance.
Im Süden wird die Von-der-Tann-Straße von der langgestreckten Nordfassade des Landwirtschaftsministeriums begrenzt:
Östlich anschließend an die Nordfassade des Landwirtschaftsministeriums befindet sich der von Bäumen bestandene → Finanzgarten, nochmal östlich daran angrenzend das → Prinz-Carl-Palais an der beginnenden Prinzregentenstraße, die beide aber bereits außerhalb unserer Betrachtung liegen.
Sehen wir uns nun den Haslauer-Block an (Ludwigstraße 6, 8 & 10). Dieses große, palastartige Gebäude (66m Länge, von 1826-28) ist wahrscheinlich das Werk, mit dem Klenze am meisten den Vorstellungen Ludwigs I. in der Ludwigstraße entgegengekommen ist: eine Vereinigung dreier Häuser zu einer einheitlichen, monumentalen, an das florentinische Quattrocento angelehnten Fassade. Das Ergebnis ist sehr wuchtig, dabei aber immer noch besser gegliedert als beim zuvor betrachteten allzu nüchternen Landwirtschaftsministerium, was hauptsächlich an den mächtigen Volutenkonsolen und den dazwischenliegenden roten Ornamentfeldern des Dachfrieses liegt, die dem Gebäude einen charakteristischen Vertikalabschluss verleihen.
Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude so stark zerstört, dass die Ruine nicht mehr zu verwenden war; der Architekt Erwin Schleich rekonstruierte es daher komplett in den 1960er Jahren. Er entwarf dabei eine für moderne Nutzungen geeignete Innenaufteilung: während die Außenfassaden nur 3 1/2 Geschoße mit riesigen Geschoßhöhen besitzen, sind die dahinter liegenden Neubaubereiche in 7 Etagen, also das Doppelte, unterteilt. Schleich spendierte dem Haslauer-Block dabei zwei sehr geschmackvolle Innenhöfe, die sehr gut zum Stil des Gebäudes passen.
Die Frontalansicht der Fassade von der Ludwigstraße aus:

Der südliche Innenhof des Haslauer-Blocks:
Nördlicher Innenhof:


Blick von der nördlich gelegenen Schönfeldstraße in den Durchgang zum nördlichen Innenhof:
Ausschnitt aus der Nordfassade des Haslauer-Blocks von der Schönfeldstraße aus gesehen, die archaische Wucht der Fassade wirkt dabei durchaus beeindruckend:
Blick von der Ludwigstraße in Richtung Norden mit dem Haslauer-Block und nördlich daran anschließend dem ehemaligen Armeeministerium, der Staatsbibliothek und der Ludwigskirche:

Blick aus der Mitte der Kreuzung in Richtung Norden, links die Landeszentralbank (der wir uns anschließend widmen werden), am Horizont das Siegestor:
Wenden wir uns nun also dem Gebäude Nr. 13 auf der Westseite im Anschluss an den Oskar-von-Miller-Ring zu, der ehem. Bayerischen Landeszentralbank, heute Deutsche Bundesbank Hauptverwaltung Bayern.
Um es kurz zu machen: dieses Gebäude stellt, obwohl es optisch zunächst gar nicht so schlimm erscheinen mag, zusammen mit dem gerade gezeigten Durchbruch des Altstadtrings das größte Ärgernis in der heutigen Ludwigstraße dar. An seiner Stelle stand bis 1937 das Herzog-Max-Palais, eines der Hauptwerke von Leo von Klenze, bevor es auf Anordnung der Nationalsozialisten abgebrochen wurde. Dies war die letzte und wahrscheinlich furchtbarste Konsequenz der Verbreiterung der Von-der-Tann-Straße: wir erinnern uns, dass im Zuge des weiter oben beschriebenen Abrisses der gesamten Häuserzeile auf der südlichen Ostseite auch das Bankgebäude der preußischen Reichsbank abgerissen worden war, weswegen die Reichsbank nun als Ausgleich einen neuen Stammsitz forderte - wenn möglich an einem ähnlich repräsentativen Standort in der Nähe. Die Wahl fiel auf das Herzog-Max-Palais, deren Besitzer, die Nachfahren von Herzog Max in Bayern, seit Ende der Monarchie in großen Geldnöten waren, nachdem nunmehr ihre bis dato von der königlichen Hauptlinie der Wittelsbacher zur Verfügung gestellte Apanage weggefallen war. Die herzogliche Familie musste schließlich unter Druck der Nationalsozialisten ihr Palais verkaufen und später sogar in die USA fliehen. Die Reichsbank zeigte sich aber nicht zufrieden mit dem alten Palais und forderte die Genehmigung für einen Abriss und Neubau. Obwohl sogar der bereits erwähnte Fritz Gablonsky, immerhin einer der führenden Köpfe der Obersten Baubehörde in München, in einem ausführlichen persönlichen Brief an Hitler die große kunsthistorische Bedeutung des Herzog-Max-Palais' unterstrich und sich für den Erhalt des Gebäudes einsetzte, erteilte Hitler schließlich die Abrissgenehmigung: so wurde eines der wichtigsten Werke Klenzes sang- und klanglos beseitigt und durch einen vergleichsweise banalen Neubau ersetzt. Dabei wurde der Neubau in der Nazizeit gar nicht mehr fertig, weil nach Kriegsbeginn immer mehr Bauarbeiter an die Front berufen wurden und die Baustelle schließlich 1941 eingestellt werden musste. Zu diesem Zeitpunkt stand das Erdgeschoß und Teile der Seitenmauern im 1. Stock. Nach dem Krieg und der Auflösung der Reichsbank sollte das Gebäude für die Landeszentralbank fertiggebaut werden, wobei der Architekt Carl Sattler versuchte, die Planung umzugestalten und etwas von der Glätte und Monumentalität des ursprünglichen Entwurfs abzumildern; viel konnte aber nicht mehr geändert werden und somit ist der letztendlich resultierende Bau leider eine sehr schmerzliche Verschlechterung im Vergleich zum noblen klassizistischen Palast Klenzes.
Betrachten wir zunächst den heutigen Bau der Landeszentralbank:



Ein Blick in die Rheinbergerstraße und auf die Nordseite der Landeszentralbank, rechts angeschnitten Ludwigstraße 15:
Nun zum Vorgängerbau, dem Herzog-Max-Palais.
Es wurde 1828-31 von Klenze für den → Herzog Max in Bayern errichtet, der aus der herzoglichen wittelsbachischen Nebenlinie Pfalz-Birkenfeld-Gelnhausen stammte. Diese Nebenlinie war nach der königlichen Hauptlinie der Wittelsbacher die zweitwichtigste Adelsfamilie in Bayern. Herzog Max, auch „Zithermaxl" genannt, weil er leidenschaftlich gern Zither spielte und sehr leutselig war, ist der Nachwelt hauptsächlich aufgrund einer Tatsache bekannt: er war der Vater von „Sissi", der späteren Kaiserin von Österreich. Elisabeth, mit Spitznamen „Sisi" genannt (nicht "Sissi", dies ist eine Erfindung der berühmten Marischka-Filme aus den 50ern) wurde hier im väterlichen Palais in München geboren, eine Gedenktafel am Nachfolgegebäude erinnert noch heute an sie.
Dieses Palais war aufgrund seiner herrschaftlichen Größe und der exquisiten, einheitlich konzipierten Innenausstattung eines der gelungensten Werke von Klenze, seine architektonische Bedeutung als eines der herausragendsten Gebäude in der Ludwigstraße immens. Im Gegensatz zu den glatten neoklassizistischen Fassaden der Nazizeit wies es eine Gliederung in Form eines Mittelrisalites mit Säulenportikus sowie zweier Seitenrisalite auf und war zudem mit je nach Geschoß variierten Fensterverdachungen und -ädikülen sowie Pilastern versehen. An diesem Beispiel kann man exemplarisch sehen, wie ein Meister wie Klenze einen großen Baukörper zu proportionieren weiß, so dass ein zwar würdevoll-monumentaler, aber doch einladender Eindruck entsteht.
Nachfolgend einige Ansichten.
Richtung Odeonsplatz und Theatinerkirche (1875):
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NL-KV-0406, Lizenz CC BY-ND 4.0)
Auf einem Aquarell von Friedrich Eibner von 1855:
(Penta Springs Limited / Alamy)
1914:
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-PK-STB-14485)
1937, kurz vor dem Abbruch:
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-HB-XVI-1008)
Der Fassadenaufriss:
(WIkimedia Commons, gemeinfrei)
Nun einige Innenansichten des Palais, die 1937 kurz vor Abbruch des Gebäudes angefertigt wurden.
Treppenhaus:
(Bayerisches Hauptstaatsarchiv OBB Foto 8139/4)
(Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Foto Karl Adam Horn)
(Bayerisches Hauptstaatsarchiv OBB Foto 8139/7)
Herkules-Saal:
(Bayerisches Hauptstaatsarchiv OBB Foto 8139/10)
Festsaal (Kaulbach-Saal):
(Bayerisches Hauptstaatsarchiv OBB Foto 8139/42)
Enfilade im 1. Stock:
(Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Foto Bernhard Hermann Röttger)
Weißer Salon:
(Bayerische Landeszentralbank)
Weißer Salon Deckenausschnitt:
(Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Foto Karl Adam Horn)
Zwischensalon (Mayer-Saal):
(Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege)
Mayer-Saal Deckenausschnitt:
(Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Foto Karl Adam Horn)
Erster Salon des Herzogs Deckendetail (welch feine Malerei!):
(Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Foto Karl Adam Horn)
Badezimmer der Herzogin (ursprünglich stand in der Mitte noch eine Badewanne):
(Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Foto Karl Adam Horn)
Pompejanisches Gewölbe:
(Bayerisches Hauptstaatsarchiv OBB Foto 8139/57)
Wie man anhand dieser Bilder sehen kann, handelte es sich um ein künstlerisch absolut herausragendes Interieur, das sogar mit den klassizistischen Raumfluchten der Residenz zu vergleichen war. Zudem war das Herzog-Max-Palais auch in städtebaulicher Hinsicht ein Schlüsselbau im Verlauf der Ludwigstraße, der der Straße an dieser zentralen Stelle einen wichtigen architektonischen Akzent und eine Noblesse verlieh, die der Nachfolgebau der Landeszentralbank nicht annähernd geben kann. Ein unermesslicher Verlust, einer der größten der Münchner Architekturgeschichte.
Wir gehen weiter zu Haus Nr. 14 auf der Ostseite. Bereits 1807 bzw. 1816 war auf dem Grundstück das Armee-Monturmagazin errichtet worden, welches dann von 1827-30 von Klenze zum Armeeministerium (später Kriegsministerium genannt) um- bzw. zum Teil neugebaut wurde. Daran östlich anschließend an der Schönfeldstraße war bereits kurz zuvor (1823-26) das Wohnhaus des Armeeministers, das sogenannte Kommandanturgebäude, entstanden. Der Westbau an der Ludwigstraße ist insgesamt 77m lang und besitzt einen erhöhten siebenachsigen Mittelteil von 39m Länge mit Arkaden und einer sich dahinter befindlichen offenen, kreuzgratgewölbten Vorhalle. Architektonisch und stilistisch lehnt er sich an florentinische Quattrocento-Bauten wie dem Palazzo Pitti an und besitzt somit auch eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Königsbau der Residenz. Ebenso wie bei diesem besteht die Fassade aus rustiziertem Regensburger Grünsandstein, der sich im Fall des Armeeministeriums allerdings nur auf die Erdgeschoßzone beschränkt; zusätzlich ist das Armeeministerium in den Bogenzwickeln der Arkaden reich mit figurativen Steinmetzarbeiten geschmückt.
Das Gebäude wurde von Klenze ursprünglich für eine von kleineren Wohnhäusern geprägte Umgebung konzipiert, aus der es herausstechen sollte; später wünschte König Ludwig I. allerdings wesentlich monumentalere Gebäude und beauftragte den Architekten Friedrich von Gärtner mit dem Bau der riesenhaften Bayerischen Staatsbibliothek im direkten nördlichen Anschluss. Eingerahmt durch die Staatsbibliothek im Norden und den ebenfalls wuchtigen Haslauer-Block im Süden ist das Kriegsministerium deshalb in seiner städtebaulichen Wirkung etwas eingeschränkt.
Das Kommandanturgebäude an der Schönfeldstraße besteht ebenfalls aus einem erhöhten Mittelteil (sogar mit Säulenportikus) und niedrigeren Seitenteilen; diese Seitenteile besaßen früher geschlossene Verbindungsgänge hinter den offenen Vorhallen, heute sind sie hingegen völlig offen.
Im Krieg wurden beide Gebäude schwer beschädigt bzw. zerstört: vom Kriegsministerium standen immerhin noch die Außenmauern, während vom Kommandanturgebäude mehr oder weniger nur der Portikus übrig blieb. Beide wurden ab 1964 wiederaufgebaut bzw. rekonstruiert und dienen seitdem den Staatlichen Archiven Bayerns (u.a. Bayerisches Hauptstaatsarchiv und Staatsarchiv München).
Hauptgebäude an der Ludwigstraße:
Mittelteil:
Blick von Südwesten, links die Staatsbibliothek, anschließend die Ludwigskirche - ein sehr italienischer Anblick:

Blick von Nordwesten, rechts anschließend zuerst der Haslauerblock und dann das Landwirtschaftsministerium:
Ehem. Kommandanturgebäude an der Schönfeldstraße hinter dem Hauptbau:
Blick vom Hauptbau an der Ludwigstraße in Richtung Norden:
Blick in Richtung Südwesten, ganz rechts der ockerfarbene Block Ludwigstraße Nr. 15 / 17 / 19, den wir uns als nächstes ansehen werden:
Die in einem warmen Ockerton gehaltene und von Klenze entworfene Dreiergruppe Nr. 15 / 17 / 19 auf der Westseite bildet in ihrer symmetrischen Fassadengestaltung eine Einheit: die einander entsprechenden Eckbauten Nr. 15 & 19 rahmen die Nr. 17 ein, die mit ihrem reicheren Fassadenschmuck fast wie eine Art Mittelrisalit wirkt, ohne dabei allerdings hervorzutreten. In ihrer Dekoration heben sich die drei Häuser von den anderen Bauten der Ludwigstraße vor allem durch die Verwendung von runden Stuckelementen, den sogenannten Tondi ab: während die Häuser 15 & 19 in ihren Tondi einfache blumenähnliche Muster besitzen, weist das Haus Nr. 17 im 1. Stock im Vergleich dazu reichere Muster und im 2. Stock Reliefbüsten von bedeutenden Renaissancekünstlern wie Michelangelo, Palladio, Leonardo da Vinci, Tizian, Bramante und Fra Bartolommeo auf; außerdem besitzt das Haus zusätzliche Felder mit antikisierender Stuckornamentik.
Die Häuser Nr. 15 & 17 stammen von 1829/30, während das Haus Nr. 19 erst rund 7 Jahre später erbaut werden konnte, da die Grundstückseigentümer einen Verkauf des Terrains lange verweigerten.
Im 2. Weltkrieg erlitten die Häuser unterschiedliche Schicksale: Haus Nr. 15 wurde zwar beschädigt, blieb aber im Wesentlichen erhalten; Haus Nr. 17 wurde bis auf die Fassade größtenteils zerstört und nachher völlig neu hinterbaut; Haus Nr. 19 erlitt kaum Schäden und besitzt als einziges der noch erhaltenen privaten Wohnhäuser an der Ludwigstraße sogar weitgehend seine originale Innenstruktur. Die Hofdurchfahrt ist eine der wenigen original erhaltenen der Ludwigstraße.
Blick von Süden, links angeschnitten die Landeszentralbank:

Das mittlere Haus Nr. 17 mit seinem etwas reicheren Fassadenschmuck:

Haus Nr. 19 (links), anschließend Häuser Nr. 21 & 23:
Die Hofeinfahrt von Nr. 19:
Blick von Norden auf das Haus Nr. 19, rechts davon in der abzweigenden Theresienstraße mit dem Haus Nr. 1 ein recht ansehnlicher Neubau von 2014-16 (anstelle eines Nachkriegsgebäudes), anschließend Ludwigstraße Nr. 21:
Anhand dieser Gegenüberstellung von Ludwigstraße 19 und Theresienstraße 1 kann man gut die großen Geschoßhöhen der Gebäude der Ludwigstraße erkennen: Haus Nr. 19 besitzt vier Geschoße (wobei das oberste sogar nur ein niedrigeres Attikageschoß ist) und Theresienstraße Nr. 1 bei gleicher Traufhöhe sechs. Auch ein typischer gründerzeitlicher Bau hätte bei dieser Traufhöhe auf jeden Fall fünf Geschoße. Es ist auch dieser Aspekt, der den Gebäuden der Ludwigstraße bei aller Strenge und mitunter Schlichtheit der Fassaden ihre Großartigkeit gibt.
Blick von Norden auf den ganzen Häuserblock 15 - 19, rechts angeschnitten das Haus Nr. 21:
Wir machen auf der Westseite weiter und gehen zu Haus Nr. 21, der ehemaligen Bayerischen Versicherungsbank.


Das Gebäude gehört nicht zur ursprünglichen Bebauung der Ludwigstraße, sondern wurde 1910/11 anstelle eines klassizistischen Vorgängerbaus errichtet. Dieser Vorgängerbau stammte von Klenze und besaß eine komplett rustizierte Fassade im typisch florentinischen Stil:
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-HB-XVI-0248)
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NL-PETT1-2153, Lizenz CC BY-ND 4.0)
Es war Klenzes nördlichster Bau in der Ludwigstraße, bevor er in der Weitergestaltung der Straße von seinem Konkurrenten Friedrich von Gärtner abgelöst wurde (heute sind die Häuser Nr. 19 auf der Westseite und Nr. 14 auf der Ostseite Klenzes nördlichste Bauten).
Der Neubau von 1910/11, der von der bekannten Münchner Immobilienfirma → Heilmann & Littmann gebaut wurde, übernahm den grundsätzlichen Stil der Fassade (vor allem die flächendeckende Rustizierung und die Gurtgesimsteilung), war aber im Sinne der Jahrhundertwende etwas prächtiger gestaltet, indem er einen großen Säulenportikus und ein Girlandenfries unter dem Konsolgesims bekam.
1937/38 wurde der Bau nach Westen entlang der Theresienstraße auf insgesamt 150 m verlängert und das Gebäude zudem innen umgebaut; dieser Verlängerung mussten fünf klassizistische Mietshäuser von 1827 weichen. Im 2. Weltkrieg blieb das Gebäude erhalten, allerdings wurde es danach innen mehrmals umgebaut, zuletzt 1997 - 2002, so dass von der historischen Ausstattung leider nicht mehr viel übrig ist.
Nachfolgend einige weitere Ansichten.
Blick von der nordöstlich gegenüberliegenden Freitreppe der Staatsbibliothek:
Südfassade an der Theresienstraße, rechts die Ludwigskirche und die Staatsbibliothek:
Schrägansicht, rechts das ehem. Damenstift:
Ausblick nach Norden mit Portikus, Ludwigskirche und Staatsbibliothek:
Kommen wir nun zu Ludwigstraße 16, der Bayerischen Staatsbibliothek.
Wenn wir bisher schon einige große Baukörper an der Ludwigstraße zu sehen bekamen, so schlägt die Staatsbibliothek nun alles: es ist ein wahrer Koloss von 151 m Länge, 77 m Tiefe und knapp 25 m Höhe, ein für vorgründerzeitliche Epochen unheimlich großes Gebäude, das wahrscheinlich nur von den großen Barockschlössern übertroffen wurde.
Ein kläglicher Versuch, das Gebäude als Ganzes zu fotografieren:
Blick von weiter südlich:
Der Mittelteil mit Freitreppe und den vier antiken Gelehrten Thukydides Homer, Aristoteles und Hippokrates (es handelt sich um Kopien, die witterungs- und kriegsbeschädigten Originale befinden sich seit 1965 im Garten der → Schule in Bernau am Chiemsee)

Die Staatsbibliothek war Friedrich von Gärtners erste Planung an der Ludwigstraße, mit der er 1827 begann (die Bauarbeiten konnten aus Geldmangel allerdings erst 1832 in Angriff genommen werden; Fertigstellung 1843).
Der Bau einer neuen staatlichen Bibliothek war unumgänglich geworden, seit Bayern in der Säkularisation Unmengen an Büchern und Schriften aus den Klosterbibliotheken zu den bereits bestehenden, großen wittelsbachischen Beständen hinzugewonnen hatte: es handelte sich insgesamt um über 500.000 Bücher, die provisorisch auf dem Dachboden der Alten Akademie in der Neuhauser Straße gelagert waren. Dieser Bücherbestand sollte nun im Sinne der aufgeklärten Zeit der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.
Mit dem Bau der Staatsbibliothek und der nördlich davon gelegenen, zwar etwas später geplanten, aber früher begonnenen Ludwigskirche tritt nun also Friedrich von Gärtner auf den Plan und löst Leo von Klenze als Gestalter der Ludwigstraße ab. Wie kam es dazu?
Ludwig I. war seit einiger Zeit nicht mehr ganz zufrieden mit dem Bau- und Planungsfortschritt der Ludwigstraße und wollte deshalb einen weiteren Architekten beauftragen, um eine Konkurrenzsituation zu schaffen und die Dinge zu beschleunigen. Klenze hatte zudem immer öfter skeptisch und ablehnend auf die Wünsche Ludwigs I. reagiert, der eine monumentalere und stilistisch freiere Architektur wünschte, die sich nicht mehr ausschließlich an der griechischen und römischen Antike und der darauf aufbauenden Renaissance orientieren, sondern auch Elemente anderer Stile integrieren sollte. Klenze war aber zu sehr auf die strenge griechische und römische Baukunst fixiert, als dass er diesen Wünschen hätte nachgeben wollen und so wurde er von Ludwig zunehmend mit anderen Bauten beauftragt, bei denen seine Expertise laut Ludwig besser aufgehoben war: Allerheiligenhofkirche, Alte Pinakothek, Festsaalbau der Residenz, Ruhmeshalle, Propyläen und Walhalla. Die Ludwigstraße plante ab diesem Zeitpunkt Gärtner alleine weiter, der gesamte nördliche Teil der Ludwigstraße, beginnend mit der Staatsbibliothek auf der Ostseite und dem Damenstift (Nr. 23) auf der Westseite, stammt also von ihm, ebenso wie die Feldherrnhalle im Süden, die erst 1840-44 gebaut wurde.
Gärtner war ein Vertreter des Romantizismus, der in seine Architektur auch mittelalterliche Elemente aus Romanik, Gotik und byzantinischem Stil einfließen ließ, „den rein gemüthlichen und phantastischen Werten", wie er sich ausdrückte. Die griechische und römische Antike sowie die Renaissance blieben zwar weiterhin wichtig und maßgeblich, waren aber nicht mehr die einzigen Orientierungspunkte. Oswald Hederer schreibt dazu in seiner Monographie über die Ludwigstraße (1942):
„Gärtner wurde zum Vorkämpfer einer Bewegung, die gegenüber dem antiken Kanon »gegen die streng griechischen oder den schulgerechten Lösungen überhaupt« die Gemütswerte, das freie Spiel der Phantasie, das Streben nach Unendlichkeit und Ferne, die Beziehung zur Landschaft und zur Historie zur Gestaltung aufruft. Darin vor allem war Gärtner wie Schinkel Romantiker, wie er sich früheren geschichtlichen Stilformen, insbesondere »den rein gemüthlichen und phantastischen Werten des Mittelalters«, zuwandte. Nicht, dass man die Antike aus dem Bereich der Gestaltung verbannt oder sich ihrem hohen Anspruch verschlossen hätte, man versagt ihr nur, einziges Gesetz und unbedingt verpflichtendes Beispiel zu sein. Man sagte, die Antike sei nun erschöpft oder bis zum Überdruß nachgeahmt worden. Man war »des Wiederkauens, des ewig wiederholten und abermals gebrauchten, sowohl griechischen als römischen Stiles« müde. Der antike Tempel wurde als »exotische Pflanze« und als für das nordische Klima ungeeignet bezeichnet. Die bisher in München herrschende Richtung wurde als »Commiss« oder »Klenzestil« abgetan."
Damit ist die erste Stufe des beginnenden Historismus erreicht: der sogenannte „romantische Historismus" (wenn man nicht den Klassizismus von Anfang an schon als historistisch bezeichnen möchte).
Gärtner ist allerdings immer noch genügend Klassizist, weswegen die Ludwigstraße nach seiner Übernahme der Planung keinen Bruch erlitt und insgesamt weiterhin ein einheitliches Bild abgibt. Hederer dazu:
„Klassizistisch ist bei Gärtner wie bei Klenze das Überwiegen einer vorgefaßten Absicht und eines literarischen Programmes über selbsteigenes und naives Gestalten."
Die Staatsbibliothek greift auf Wunsch von Ludwig I. in ihrem Äußeren den Stil der einfachen, aber wuchtigen spätmittelalterlichen florentinischen Palastbauten auf und kreiert so ein aufs Essenziellste reduziertes Erscheinungsbild: bis auf die rustizierten Ecklisenen gibt es keine vertikalen Gliederungselemente, nur eine endlose horizontale Reihung von Rundbogenfenstern unterstrichen von Gurtgesimsen, dazu als einzige Betonung der Mitte die Freitreppe mit den Steinfiguren. Gärtner war selbst nicht ganz wohl dabei, er hatte ursprünglich Seitenrisalite und gliedernde Pilaster vorgesehen, was Ludwig aber alles ablehnte. Gärtner schrieb dazu:
„Der König geht nun einmal nicht von der Idee ab, sie in einer Front aufbauen zu lassen, ohne Vorsprung, ohne Säule, ohne Portikus, lauter rundbogige Fenster alla fiorentina, kein Aufbau oder Mittel- oder Seitenerhöhung, kurz eine langweilige Bücherkaserne... der Palazzo Ruspoli steckt ihm im Kopf und auf meine Bemerkung, daß dieser gerade die Hälfte so lang sei, also nicht so leicht monoton aussehen könnte, freute sich seine Majestät und rieb sich die Hände."
Im Inneren ist vor allem die große Treppe erwähnenswert, die eine Breite von 6 m und eine Länge von 24 m besitzt: sie ist in der Art einer Basilika angelegt mit einem mittleren Treppenschacht und zwei seitlichen Galerien. Außerdem existiert noch der westliche Fürstensaal, der mit Säulen und Kreuzgewölben ausgestattet ist.
Im 2. Weltkrieg wurde das gesamte Gebäude durch Spreng-, Brand- und Phosphorbomben mehrfach getroffen und schwer zerstört; dabei verbrannten insgesamt 500.000 Bücher, ein immenser Verlust.
Das Treppenhaus und der Fürstensaal wurden zunächst nur in rein architektonischer Form wiederhergestellt, ohne gemalten Dekor; das Treppenhaus bekam im Zuge einiger späterer Renovierungen allerdings einen Teil seines seitlichen Dekors wieder. Es fehlen aber weiterhin die Gewölbemalereien; es wäre schön, wenn diese eines Tages wiederkehren könnten.
Einige Fotos des Treppenhauses:
(Wikimedia Commons, Urheber: Bayerische Staatsbibliothek, CC BY-SA 3.0 DE)

Der ursprüngliche Zustand:
(Wikimedia Commons, Public Domain)
(Stadtarchiv München, DE-1992-FS-AB-STB-056-01)
Fürstensaal:
Eingangshalle:
Ausblicke von der Freitreppe:

Blick auf die gegenüberliegende Nr. 23, ehem. Damenstift:
Ein paar Fotos aus dem nördlich der Staatsbibliothek gelegenen Garten:


Als nächstes betrachten wir das Gebäude Nr. 23, das ehemalige Damenstift. Es ist sicherlich eines der schlichtesten und nüchternsten Gebäude der Ludwigstraße, ein Lückenfüller von 130m Länge, wenn man so will; es wurde von Gärtner entworfen und 1835-39 gebaut. Die Schlichtheit ist einerseits sicherlich den großen Sparzwängen geschuldet, nachdem die vorher begonnenen und damals noch laufenden großen Bauprojekte der Staatsbibliothek und der Ludwigskirche die Stadt München an den Rand des Bankrotts getrieben hatten (dazu später mehr), andererseits aber auch der Vorliebe Gärtners für reduzierte, klare Formen, für ein Vorherrschen von einfacher Geometrie und glatter Wandfläche bei minimalem Dekor. Sein Ausspruch „Ich suche alles den Zwecken dienlich zu machen und die Fassade rein aus der Notwendigkeit und der Konstruktion hervorgehen zu lassen" hört sich an wie ein Manifest der modernen Architektur. Gleichwohl behält er ein Minimum an formaler Gestaltung bei, so dass das Damenstift (wie auch seine nördlich anschließenden Nachbargebäude) dennoch würdevoll wirkt: der ganze Komplex besitzt einen erhöhten Mittel- und zwei erhöhte Seitenteile, Gurtgesimse sowie rustizierte Ecklisenen und Fensterumrahmungen, die zusammen dem langgestreckten Gebäude einen gewissen Rhythmus geben.
Da eine Gewinnung von privaten Bauherrn für die riesige Ludwigstraße seit längerem nicht mehr möglich war (kaum jemand wollte so weit von der eigentlichen Stadt entfernt in solch riesigen Häusern wohnen, wie Ludwig sie wünschte), wurden nun staatliche und kirchliche Institutionen angeworben, die sich hier ansiedeln oder zumindest investieren sollten. Für dieses Gebäude konnte Ludwig das Damenstiftkloster gewinnen, die bisher in der Damenstiftstraße in der Altstadt ansässig waren; zunächst war angedacht, dass das Kloster in den Neubau übersiedeln sollte, schließlich wurde es aber als reines Investitionsobjekt angegangen, d.h. man wollte es nach dem Bau vermieten, um das Stiftungsvermögen zu vergrößern. So wurden in das Gebäude zunächst große Mietwohnungen und auch einige Büros eingebaut. Von 1870 bis 1912 war dann das Maximiliansgymnasium sowie das königliche Realgymnasium hier untergebracht, so dass das Innere umgebaut wurde.
Im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, wurde es danach für den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof wiederhergestellt.
Im dahinterliegenden Hof hat sich das sogenannte → Riederer-Haus erhalten, ein dreigeschoßiges, klassizistisches Walmdachhaus von 1824/25, das als eines der letzten Überbleibsel Zeugnis ablegt von der einfachen bürgerlichen Wohnbebauung der beginnenden Maxvorstadt vor Errichtung der Ludwigstraße (heute Sitz des → Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege).
Nun einige Ansichten des Gebäudes Ludwigstraße 23.
Blick von Südosten, links angeschnitten das Haus Nr. 21:
Mittelteil:


Blick von diesem Abschnitt der Ludwigstraße in Richtung Süden:
Links die Staatsbibliothek, rechts das ehem. Damenstift:

Auf der nächsten Seite betrachten wir den nördlichen Abschnitt der Ludwigstraße bis zum Siegestor. ➔